Gestern war es soweit, die wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen-Anhalt durfte sich bekennen: zum regiert werden und wer 'es' (was auch immer in dieses kleine Wort vom Wähler hinein gelegt wird) besser kann.
Die AfD hat die Wahl sehr deutlich und klar gewonnen, die SPD jubelt (weil sie drin ist), die CDU wurde von dem Typ in S/A und Merz halbiert. Die FDP existiert zum Glück nicht mehr wirklich, die Grünen retten sich in die Opposition. Was wird über die Wahl geschrieben? (Stand: 22:00 Uhr)
Wahlabend
Warum wählt jemand die AfD laut Presse?
Große Unzufriedenheit mit Berlin
Entscheidend für das Ergebnis ist aber die massive Schwäche der Bundesregierung [...]
Die Menschen wünschen sich mehr und härtere Führung, sie stört das demokratische Blabla. Das macht Angst.
Wer wählt die AfD?
beruht der Erfolg der als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei auch darauf, dass die AfD bisherige Nichtwähler mobilisiert hat (170.000 Stimmen).
Das Herzstück der Demokratie also. Die Aufforderung "Geht wählen!" hat Anklang gefunden, die Gesichter sind jetzt lang.
Demoskopen zufolge basiert der AfD-Erfolg auf einer Mischung aus der allgemeinen Unzufriedenheit mit Parteien, Personen und Politik sowie dem inhaltlichen Angebot der Partei.
Mit etwas Abstand: die Menschen sind also größtenteils unzufrieden mit ihrer aktuellen Herrschaft. Was fordern und wählen sie: eine neue Herrschaft, auf die sie ein Anrecht haben. Das werden sie auch bekommen - und die bietet sich als die Alternative an, die sich auf die Fahnen schreibt, dem Volk das zukommen zu lassen was es verdient: eine Herrschaft, die sich auf ihre deutsche Machtbasis beziehen will. Rauskommen wird nicht viel aber eines ganz gewiss: Mehr Härte gegen alles was nicht-deutsch, arm und sonstwie störend ist. Davon hat man als aufrechter deutscher Armer zwar nichts, außer die Genugtuung, das es denen unten noch schlechter geht. Na immerhin!
Hatten vor fünf Jahren noch ein Drittel der Arbeiter in Sachsen-Anhalt AfD gewählt, sind es nun fast zwei Drittel (61 Prozent). Unter Angestellten kommt die AfD fast auf die Hälfte der Stimmen, vor CDU, Grünen und Linken. Auch unter Rentnern hat die AfD die CDU überholt. Unter den Selbstständigen verfügt die AfD über eine absolute Mehrheit.
Die AfD ist nicht bloß eine Arbeiterpartei, sondern eine rechte Volkspartei (die vielleicht die CDU beerbt). Und alle lassen sich einleuchten, dass Deutschland in der Krise steckt. Es ist auch ziemlich egal, welches Thema zitiert wird, die Diagnose steht schon vor allem fest: Deutschland schifft ab und es rettet angeblich nur die AfD.
Zu dieser Art Agitation steht hier einiges lesenswertes: https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/afd-hoehenflug
Subjekt der Wahl sind nicht die Wähler*innen, die haben ja nur ihre Stimme. Den Rest klären die Ermächtigten nach der Wahl. Wer mit wem und was im potenziellen Koalititonsvertrag steht, das folgt aus den Verhandlungen je nach Stimmenanteil. Die FAZ dazu:
Szenario 4: Einzelne Abgeordnete laufen zur AfD über
Ulrich Siegmund selbst hat angedeutet, dass er auf dieses Szenario schielt. „Niemand weiß, welche Auswirkungen das jetzt auch haben wird. Auch vielleicht für einzelne Abgeordnete anderer Parteien“, sagte er am Sonntagabend.
Mit Stimmen im Gepäck kann man was anfangen. Die Wähler*innen dürfen gespannt sein, wie ihnen ihr sog. Wählerwille vordefiniert wird.
International wird auch auf Sachsen-Anhalt geguckt, wenn es sonst immer ein uninteressanter Fleck ist. Wenn es um die Stabilität der Herrschaft über einen Landesteil geht, dann richtet sich das Kommentariat doch mal gen Osten.
Die AfD habe von der Frustration über eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Energiepreise profitiert, analysiert die belgische Zeitung De Tijd.
Dass das Kriegsfolgen sind, wird nicht erwähnt. Die AfD hat sich erfolgreich als Anti-Kriegspartei etablieren können und damit erfolgreich für sich geworben. Ihre Kritik am Krieg: nützt Deutschland nicht! Da weiß man auch, woran man ist. Wenns irgendwo/-wann nützlich wird..
Und auch die Linkspartei hat eine Antwort: sich selber.
Die Spitzenkandidatin sagt: „Ich stehe für ein Berlin, in dem alle Menschen ein bezahlbares und sicheres Leben in Würde führen können, egal, woher sie kommen“
Mehr rausholen ist nicht drin, das macht auch eine Linkspartei klar. "Bezahlbares Leben" ist das höchste der Gefühle, das man als gedupfter Mensch erwarten kann. Schönen Dank.